Batterien, Blackouts & Bürokratie – der wahre Stand der Energiewende mit Gerd Schöller


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Die Energiewende in Deutschland hängt zwischen Batterien, Blackouts und Bürokratie fest. Der Strom kommt schon zu 60 bis 65 Prozent aus erneuerbaren Energien. Trotzdem bleibt der Preis hoch, der Netzausbau langsam und die Debatte ideologisch. In dieser VertriebsFunk-Folge räumt Gerd Schöller mit gängigen Narrativen auf. Er ist Geschäftsführer von SCHÖNERGIE und Autor des Buchs „Unter Hochspannung“. Sein Kernpunkt: Batteriespeicher sind die entscheidende Technologie der kommenden Jahre.
Warum die Strompreis-Debatte in Deutschland so festgefahren ist
Energie ist der Motor der menschlichen Entwicklung. Sie treibt auch jede Firma an. Wo der Energieverbrauch steigt, steigt laut Schöller auch das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Trotzdem ist kaum ein Thema so ideologisch aufgeladen wie die Energiewende Deutschland. Die einen erklären die Strompreise zum Standortkiller. Die anderen fordern höhere Preise für den Klimaschutz. In dieser Gemengelage landen viele Themen in einem Topf, die man getrennt betrachten muss.
Die Bilanz des Stromsektors ist trotzdem beachtlich: Vor 25, 30 Jahren hieß es, bei zwei Prozent erneuerbaren Energien kollabieren die Netze. Heute liegen wir bei 60 bis 65 Prozent – und die Netze laufen. Was damals wie eine Reisekrankheit klang, ist längst ein Erfolgsmodell. Deutschland ist als Erzeugungsland eines der schwierigsten Länder der Welt. Es hat kaum Öl, kaum Gas und nur wenig Kohle im Boden.
Dazu kommt: Verbilligtes Gas aus Russland hielt die Energiepreise jahrelang künstlich niedrig. Seit dieser Vorteil weg ist, zahlen wir die Realpreise. Die sind keine Erfindung der Energiewende. Wer Resilienz will und sich von Autokraten unabhängig machen möchte, zahlt dafür. „Hedging kostet Geld, schon immer“, sagt Schöller. Genau diese Absicherung ist der Preis der Unabhängigkeit.
Über den Gast
Gerd Schöller leitet SCHÖNERGIE, eine Firma für erneuerbare Energien aus Föhren bei Trier. Die Bandbreite reicht vom Solarmodul bis zum großen Solarpark. Batteriespeicher sind inklusive. Sein Buch „Unter Hochspannung – Schluss mit dem Gerede, so lösen wir Deutschlands Energiekrise“ erscheint im oekom Verlag. Er schrieb es aus Verzweiflung über plattgetretene Narrative. Dazu kommt die Erfahrung von gut zwei Jahrzehnten „Solarcoaster“, wie er die Berg- und Talfahrt der Branche nennt. Seine Website: gerd-schoeller.de.
Das lernst du in dieser Folge
Warum der Strompreis trotz 60 Prozent Ökostrom hoch bleibt
Die wichtigste Einordnung der Folge: Der Strompreis besteht aus mehr als aus der Erzeugung. Netzgebühren, Stromsteuer und Umlagen treiben die Rechnung in die Höhe. Der reine Erzeugungspreis macht beim Privatkunden nur etwa ein Viertel aus. Deshalb greift die einfache Rechnung „mehr Ökostrom gleich billiger Strom“ nicht. Im europäischen Verbundnetz sind die Erzeugungspreise ziemlich vergleichbar. Was Deutschland von anderen Ländern trennt, sind Netze, Steuern und Abgaben – nicht die Windräder oder Solarparks.
Wer die hohen Strompreise für die Industrie beklagt, hat mit der Diagnose recht. Mit der Herleitung nicht. Das sagt Schöller. Es stimmt, dass energieintensive Industrien über ihre Standorte nachdenken. Die Ursache ist aber nicht die Energiewende. Der Wegfall des verbilligten Gases hat die Realpreise sichtbar gemacht. Sein Rat an Unternehmen: selbst Verantwortung übernehmen. Wer heute direkt Strom aus Solarparks und Windparks einkauft, senkt den Erzeugungspreis immerhin um zehn bis fünfzehn Prozent. Das wissen erstaunlich wenige. Der Strom kommt eben nicht einfach so aus der Steckdose.
Heikel bleibt die Politik für Privatkunden. Immer wieder kommt die Frage auf, ob Prosumer stärker an den Netzkosten beteiligt werden. Prosumer sind Produzenten und Verbraucher in einem. Auch die Einspeisevergütung steht zur Debatte. Solche Diskussionen verunsichern den Markt. Dabei haben private Solaranlagen die Akzeptanz für die Energiewende überhaupt erst getragen. Ein Geschäftsmodell, das keiner mehr versteht, kauft am Ende nämlich keiner mehr.
Batteriespeicher: das Bügeleisen der Energiewende
Schöller bringt es auf eine Formel: Die Energiewende braucht zwei Dinge. Ein Bügeleisen für die volatile Energieerzeugung und einen ADAC für die Dunkelflaute. Das Bügeleisen sind die Batteriespeicher. Sie glätten die Spitzen, wenn der Wind bläst und die Sonne scheint. Sie kaufen günstigen Strom ein und verkaufen ihn später teuer, wenn die Erzeugung einbricht. Dieser Arbitragehandel dämpft die Preise, weil er die Extreme aus dem Markt kauft. Genau deshalb entstehen gerade massiv neue Speicherprojekte. Sogar die Wirtschaftswoche berichtet darüber.
Heute müssen Windräder bei Überangebot nämlich teilweise abgeschaltet werden. Niemand kann den Strom dann abnehmen. Mit wachsender Speicherkapazität verschwindet diese Verschwendung. Die Speicher kaufen die Energie in Zeiten des Überangebots ein. Abends stellen sie sie wieder bereit. Je größer die Spreizung zwischen Niedrig- und Höchstpreis, desto besser das Geschäft. Wer eine große Batterie hat und den Regler dreht, nutzt im Grunde die Lizenz zum Gelddrucken des neuen Strommarkts.
Das funktioniert nicht nur im Großen. Mit einem cleveren Netz könnte jeder Verbraucher mit eigener Batterie oder Elektroauto mitmachen. Die Waschmaschine wäscht dann, wenn der Strom billig ist. Das Auto lädt, wenn die Sonne scheint. Und es gibt Energie ab, wenn der Preis hoch ist. Genau dafür braucht es intelligente Messsysteme. Die bleiben in Deutschland das große Versäumnis.
Dunkelflaute: Warum Gaskraftwerke und Biogas die Brücke bleiben
Die Dunkelflaute bleibt die Achillesferse der Energiewende. Dann gibt es lange Zeiträume ohne Wind und Sonne. Schnell anwerfbare Kraftwerke müssen die Grundlast halten, bis die Speicher die Lücke schließen. Schöller hält die Entwicklung der Batteriespeicher für rasant. Sie wird die Notwendigkeit neuer Gaskraftwerke teilweise einholen. Zumal für einen Neubau noch nicht einmal das Genehmigungsverfahren begonnen hat. Neue Gaskraftwerke sollten wasserstofffähig sein. Sie sind als Backup-Struktur gedacht, nicht als Dauerläufer.
Sein wichtigster Punkt: Die bestehende Biogas-Struktur wird übersehen. Biogasanlagen sind Mini-Gaskraftwerke. Sie sind längst da, von Landwirten betrieben und genehmigt. Trotzdem bauen wir sie zurück, weil sich der Betrieb nämlich nicht mehr lohnt. Dabei wären sie sofort verfügbare Backup-Kapazität. Und zur Preisfrage sagt Schöller: „Die Dosis macht das Gift.“ Eine teure Kilowattstunde für 50 bis 60 Stunden im Jahr lässt sich umlegen. An tausenden anderen Stunden fließt dagegen günstig Strom. Spitzenpreise für Spitzenleistung sind kein Drama, sondern System.
Fahrende Batterien statt fahrender Heizungen
Ein Verbrenner-Auto ist energetisch eine fahrende Heizung. Nur rund 20 Prozent der Energie setzen Bewegung um. Der Rest verpufft als Wärme. Elektroautos dagegen sind fahrende Batterien. Genau darin liegt ihr doppelter Wert. Bidirektional laden heißt: Das Auto lädt tagsüber günstig. Abends versorgt es das Haus. Bei Bedarf speist es Strom ins Netz zurück. Zusammen mit intelligenten Messsystemen entsteht ein riesiger Speicher-Schwarm. Deutschland könnte dieses System in nahezu die ganze Welt exportieren. In fünf Jahren, so Schöllers Prognose, kommen wir auf 75 bis 80 Prozent erneuerbare Energien im Strommix.
Die Voraussetzung dafür ist ein digitales Netz. Genau dort hakt es noch. Spanien und Italien planen längst den zweiten Rollout intelligenter Zähler. Deutschland liegt bei deutlich unter einem Prozent. Dafür sind 800 Netzbetreiber mit mindestens 700 unterschiedlichen Ansätzen verantwortlich. Dazu kommt noch der Anspruch, erst eine 120-Prozent-Lösung zu haben, bevor etwas eingebaut wird. Wie schnell wir digital werden, entscheidet mit, ob die Energiewende zum Exportschlager wird. Hinzu kommt: Der Stromsektor ist nur ein Drittel des gesamten Energiebedarfs. Wärme und Verkehr stellen erst noch auf Strom um. Dort liegt nämlich das nächste große Wachstum. Wenn die Automobilhersteller endlich konsequent auf E-Autos setzen, entsteht aus jedem Fahrzeug ein kleiner Speicher.
Warum die Wende nicht mehr aufzuhalten ist
Auf die Frage nach einem möglichen Rollback antwortet Schöller klar: Die Disruption ist in vollem Gange. Zu viel Geld ist investiert, zu viele Menschen stehen dahinter, zu breit ist die Technik außerdem aufgestellt. Der steilste Berg ist überwunden. Die Gegner sind trotzdem nicht weg. Die fossile Energiewelt hat noch viel politische Macht. Das wertvollste Unternehmen der Welt kommt aus dem Ölbereich. Geldflüsse über Beraterverträge zeigen, wie groß der Einfluss bis in die Klimapolitik hinein ist.
Gleichzeitig entsteht durch die Dezentralisierung etwas Neues. Statt einer Oligarchie weniger Anbieter bekommen wir viele Produzenten. Vom Solarpark-Betreiber bis zum Prosumer mit Anlage auf dem Dach. Ein Netz aus vielen dezentralen Erzeugern ist kaum noch angreifbar. Die Anfrage für einen Solarpark in der Ukraine zeigt: Resilienz im Extremfall ist mit erneuerbaren Energien eine ganz andere. Die Bürokratie bleibt das große Thema. Diskussionen über Ziele alle vier Jahre, Blockaden beim Netzausbau und Regulierungen bremsen. Aber sie stoppen den Trend nicht mehr. Politisch bleibt die Ziel-Debatte das Problem: Alle vier Jahre diskutieren wir ein neues Ziel, stattdessen sollten wir den Weg zu Ende gehen. Das ist, als würde man sich auf einen Marathon vorbereiten und mitten im Lauf das Rennen ändern. Dieses Hin und Her macht die Branche mürbe – und sie kostet am Ende alle Geld.
Der Staat darf den Weg zwar vorgeben, meint Schöller. Er sollte aber nicht bis ins kleinste Detail regulieren, wie Unternehmen CO2 reduzieren. Unternehmer wollen mitgestalten, nicht bevormundet werden. Dazu passt sein Blick auf die eigene Branche: Wer so viele Jahre Berg- und Talfahrt im Solarcoaster erlebt hat, weiß die guten Jahre zu schätzen. Große Anlagen und Batteriespeicher sind gerade das stärkste Geschäft. Auch wenn die Zellfertigung längst in chinesischer Hand liegt.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge richtet sich an Unternehmer und Führungskräfte im Mittelstand. Sie wollen verstehen, wie sich Energiepolitik auf ihre Kosten auswirkt. Und sie wollen nicht auf jedes Krisennarrativ hereinfallen. Daneben spricht sie alle an, die über eine eigene Solaranlage, einen Batteriespeicher oder ein Elektroauto nachdenken. Schöller erklärt, warum das Modell – selbst erzeugen, speichern, verkaufen – nach wie vor riesig viel Sinn macht. Auch wenn die Politik gerade Signale sendet, die Unsicherheit schüren. Wer sich fragt, ob die Energiewende zu teuer, zu langsam oder schon verloren ist, bekommt hier eine faktenbasierte Antwort. Sie kommt von einem Praktiker, der seit über 20 Jahren in der Branche arbeitet.
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Die komplette Folge mit Gerd Schöller gibt’s auf VertriebsFunk, Spotify und überall, wo’s Podcasts gibt.
Schon gehört?
Vielseitig und mega interessant
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Ich habe Christopher zufällig in YouTube bei Themen um Karriere entdeckt und gesehen, das er ein sehr interessanten Podcast führt. Ich habe gleich abonniert, die Themen und Gäste sind wertvolle Inputs um erfolgreich im Job zu werden.
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Inhalte können viele, aber der Funk sendet auch gut rüber
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[00:00:16 - 00:02:13] | Christopher Funk
Das, was unsere Unternehmen wirklich am Laufen hält und das, was auch uns als Menschheit wirklich am Laufen hält, das ist im Endeffekt Energie. Also, wenn man sich die menschliche Entwicklung anguckt, dann sieht man, dass die Menschen sich eigentlich immer dann weiterentwickelt haben, wenn Energie verfügbar war. Also früher war es nur Menschenkraft, dann kamen wir wie Tiere und Holzverbrennungen dazu, dann kamen die industrielle Revolution, wo dann die Kohle kamen, dann haben wir uns mit anderen Energiequellen beschäftigt, mit Steinkohle, mit Kernenergie, bis hin zu erneuerbaren Energien und eigentlich hat sie die Menschheit im Zuge dessen immer weiterentwickelt. Und wenn man sich tatsächlich so Entwicklungsindices anguckt, dann kann man sehen, je höher der Energieverbrauch, umso höher ist auch das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, also die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. So, und in Deutschland gibt es eine riesige Diskussion, man kann ja auch sagen, Energie ist eigentlich auch das, was ein Unternehmen antreibt, also wenn es ein produzierendes Unternehmen ist, dann die Energie, die quasi aus der Leitung kommt, die sehr behergestellt wird, natürlich auch die Energie der Mitarbeiter und der Unternehmer, die da drin sind. Also Energie ist eigentlich das, was uns antreibt und es gibt natürlich eine heiße Diskussion in Deutschland, weil viele Menschen sagen, der Strompreis ist zu teuer, das treibt die Unternehmen aus dem Land, das ist schlecht für die wirtschaftliche Entwicklung, andere sagen, das ist noch viel zu billig, es muss viel teurer werden, weil wir ja quasi das Klima schützen müssen. Also das ist eine sehr, sehr heiße Diskussion und in die Diskussion steigen wir heute ein, da sollte sich, glaube ich, jeder mit beschäftigen, weil es uns mittelbar und unmittelbar betrifft, also unmittelbar beim Strompreis zum Beispiel und mittelbar bei den Jobs, die wir haben oder vielleicht nicht mehr haben. Und ich habe mir heute einen Experten in das Vertriebsstudio geholt, der gerade ein Buch geschrieben hat. Hochspannung, das ist nämlich hochspannend und er kommt aus der Branche, also er ist Geschäftsführer eines Familienunternehmens im Bereich erneuerbarer Energien und mit ihm will ich heute darüber diskutieren, wo stehen wir denn heute und was muss eigentlich gemacht werden, damit das Ganze in die richtige Richtung geht und was ist eigentlich die richtige Richtung. Also herzlich willkommen bei uns im VertriebsFunk, lieber Gerd Schöller.
[00:02:14 - 00:02:17] | Gerd Schöller
Ein freundliches Hallo, schön, dass ich da sein darf.
[00:02:17 - 00:02:24] | Christopher Funk
Hallo, was hatte ich dazu getrieben, dieses Buch zu schreiben Hochspannung, wo du ja quasi diese Diskussion noch mal ein bisschen anheizt um das ganze Thema.
[00:02:26 - 00:02:41] | Gerd Schöller
Ich glaube, sie nimmt mich schon aus Verzweiflung, aus Interesse an dem Thema überhaupt und so ein Ticken auch schnauzevoll von den von den Narrativen, die aktuell platt getreten werden.
[00:02:41 - 00:02:49] | Christopher Funk
Okay, dann lass uns doch gleich mal einsteigen. Was sind denn die Narrative? Was treibt dich in die Verzweiflung? Was machen wir falsch?
[00:02:51 - 00:03:16] | Gerd Schöller
Ich glaube, also wir machen ganz viel richtig, dass vielleicht positiv vorneweg ich bin total positiver Mensch. Deswegen, wir sollten uns darauf konzentrieren, was wir richtig gut machen. Aber vor allem in den Narrativen ist diese ehefige Diskussion zurück zur Atomkraft, European Green Deal, die Franzosen, die in Weg gehen und diese Narrative, dass die ganze Welt Atomkraft ausbaut, aber Deutschland nicht.
[00:03:18 - 00:03:35] | Gerd Schöller
Nur um eins davon zu nennen und ein zweites dazu ist, dass die Transformation der Energiewelt unendlich viele Kosten verursacht und da werden so viele Themen in einen Topf geworfen, die eigentlich differenziert betrachtet werden müssen.
[00:03:35 - 00:04:02] | Christopher Funk
Und das wollen wir heute tun. Also lass uns doch mal anfangen. Also eigentlich ist die Frage sein, warum sind eigentlich die Strompreise so hoch? Ich meine, wenn es gut läuft, 60 Prozent des Stroms kommt aus erneuerbaren Energien. Da würde man davon ausgehen, erneuerbare Energien müssten eigentlich viel, viel billiger sein als Kohle aus der Erde holen und die dann verbrennen oder ein Atomkraftwerk zu betreiben und sich um die ganzen Folgekosten zu kümmern. Warum ist der Strompreis denn dann trotzdem noch so hoch in Deutschland?
[00:04:04 - 00:04:07] | Gerd Schöller
Gegenfrage. Hey.
[00:04:11 - 00:04:11] | Gerd Schöller
Gegenfrage.
[00:04:13 - 00:04:14] | Gerd Schöller
Wie hoch ist hoch?
[00:04:15 - 00:04:26] | Gerd Schöller
Also wenn wir so Deutschland als Land angucken und sagen, wir haben eine Erzeugungsland mit Energieerzeugung, dann sind wir vielleicht als Deutschland so eines der schwierigsten Länder, die
[00:04:27 - 00:04:44] | Gerd Schöller
Energieerzeugung kann. Wir haben keine besonders hohen Vorkommen an Öl, nicht an Gas. Kohle haben wir wirklich nur noch den, ich glaube, den allerletzten Rest im Boden, der noch patschnass ist dazu. Also käme glaube ich keiner auf die Idee, da doch seinen Grill zu werfen.
[00:04:46 - 00:04:48] | Gerd Schöller
Und dementsprechend sind wir halt in einer Importnation.
[00:04:49 - 00:05:10] | Gerd Schöller
Ich glaube, in den letzten Jahren hatten wir diese Situation durch dieses subventionierte Gas aus Russland die Energiepreise in Summe tatsächlich sehr, sehr künstlich niedrig zu halten. Jetzt haben wir aber den Strompreis, der aus ganz vielen unterschiedlichen Faktoren besteht.
[00:05:11 - 00:05:26] | Gerd Schöller
Wir haben neben dem reinen Erzeugungspreis und hier werden manchmal Sachen auch durchmischt. Noch eine Netznutzung, also eine Maut für die Energietrassen, eine Stromsteuer, die da drauf ist. Also sämtlichen Klimbim.
[00:05:26 - 00:05:29] | Christopher Funk
Zum Beispiel für den Ausbau der Erneuerbaren.
[00:05:29 - 00:05:35] | Gerd Schöller
Die waren der Vergangenheit noch drauf. Das hat man vor zwei Jahren einfach mal quittiert.
[00:05:36 - 00:05:38] | Gerd Schöller
Aber in diesem Wust, der,
[00:05:39 - 00:05:44] | Gerd Schöller
und da verstehe ich wirklich jeden, der sagt, ich habe keine Lust mich damit auseinanderzusetzen, weil das so komplex ist.
[00:05:46 - 00:06:23] | Gerd Schöller
Aus diesem Wust kommt an diese Meinung, unsere Energiepreise sind so teuer. Aber der Energiepreis macht einem Strompreis. Also der Erzeugungspreis macht einem Strompreis bei einem Privatkunden vielleicht ein Viertel aus. Im gewerblichen Aspekt dann, weil die Energiepreise in Summe einfach ein bisschen niedriger sind, ein bisschen weniger. Nur wir diskutieren über hohe Strompreise im Erzeugungsbereich. Aber da sehen wir, wir haben europäischen Handel, europäisches Verbundnetz, dass die Preise europaweit eigentlich ein Stück weit vergleichbar sind.
[00:06:25 - 00:06:44] | Christopher Funk
Okay, aber das heißt die landläufige Meinung, dass der arme Industriestandort, gehen wir mal darauf ein, Deutschland, die Preise gerade für die Industrie besonders hoch sind und das auch dazu führt, dass gerade energieintensive Industrien sich die Standorte überlegt haben. Das teilst du nicht?
[00:06:45 - 00:06:54] | Gerd Schöller
Doch, also genau das Thema teile ich zu 100 Prozent. Nur die Herleitung, warum das so ist, ich glaube, da ist einfach eine Differenz.
[00:06:54 - 00:07:22] | Christopher Funk
Okay, das heißt die Differenz aus deiner Sicht ist, wir hatten früher unnormal niedrige Energiepreise, weil wir halt das günstige Gas aus Russland hatten mit den ganzen negativen Folgen, die wir jetzt sehen. Und seitdem wir das nicht mehr haben, müssen wir uns eigentlich jetzt mit den Realpreisen auseinandersetzen. Sind wir denn auf dem richtigen Weg jetzt? Also wenn man sagt, ja, also du hast gesagt, wir haben eigentlich keine Bodenschätze mehr, die wir nutzen können. Atomkraftwerk haben wir uns aus unterschiedlichen Gründen, Atomkraft haben wir uns dagegen entschieden.
[00:07:24 - 00:07:25] | Christopher Funk
Sind wir denn jetzt auf dem richtigen Weg?
[00:07:27 - 00:07:47] | Gerd Schöller
Grundsätzlich? Unterschiedliche, unterschiedliche Betrachtungsweisen. Also wenn wir davon ausgehen, dass wir selbst als Deutschland eine Resilienz aufbauen wollen und uns unabhängig machen wollen, weitest dient. Von Menschen, mit denen wir vielleicht nimm mehr abends und danach mit das in einem Podcast sitzen wollen.
[00:07:48 - 00:07:55] | Gerd Schöller
Dann muss man sagen, sind wir absolut auf dem richtigen Weg. Hedging kostet Geld, schon immer.
[00:07:55 - 00:07:56] | Christopher Funk
Diese Absicherung.
[00:07:58 - 00:08:00] | Christopher Funk
Hedging heißt Absicherung in dem Fall?
[00:08:00 - 00:08:18] | Gerd Schöller
Genau, genau. Diese Absicherung kostet einfach Geld. Und wenn wir uns unabhängig von Autokraten und Disputen machen wollen, dann haben wir absolut den richtigen Weg. Und vor allem, wenn wir dann auch darüber sprechen, in der Energie-Fachpresse Anfang der Woche noch ein sehr, sehr interessanter Artikel zum Thema CO2.
[00:08:19 - 00:08:31] | Gerd Schöller
Wenn wir uns Gedanken machen, dass dieser bis heute immer noch so ein bisschen eher als Soft-Fact betrachtete Carbon Footprint von Produkten einfach auch eine Rolle spielt,
[00:08:34 - 00:08:41] | Gerd Schöller
dann haben wir, glaube ich, keine andere Möglichkeit, als auf diesem Weg der Neuerbaren zu sein. Und dann sind wir einfach auf dem richtigen Weg.
[00:08:41 - 00:09:15] | Christopher Funk
Okay, du hast gesagt, du bist ein positiver Mensch. Du guckst dir vor allem die Sachen an, die gut laufen, dann lass uns doch mal die Bilanz ziehen. Was läuft denn gut und was läuft eigentlich nicht so gut? Ich meine, wenn man sich die internationale Presse oft ansieht, gut, die ist natürlich auch immer ein bisschen gebeiert, dann machen die Leute sich immer ein bisschen lustig, dass wir hier irgendwie Kohle noch einkaufen, aber dann unsere Industrie da mit raus aus dem Land treiben. Also trotzdem schmutziges CO2-Erzeugen oder wenn es gibt, dann die schmutzige CO2-Erzeugen und gleichzeitig die industriellen Land treiben. Aber das ist ja auch viel polemik.
[00:09:17 - 00:09:38] | Gerd Schöller
Absolut. Also ich glaube, das, was richtig gut läuft, ist, dass wir es im Elektro oder im Stromsektor geschafft haben, heute 60, 65 Prozent Neuerbaren schon produziert zu haben. Man ist vor 25, 30 Jahren noch davon ausgegangen, wenn wir 2 Prozent der neuerbare Energien in unserem Netz haben, dass die Netze kollabieren werden.
[00:09:39 - 00:09:39] | Gerd Schöller
Also,
[00:09:40 - 00:09:54] | Gerd Schöller
ja, dem ist nicht so. Das ist ähnlich wie der Bahn früher, man so eine Reisekrankheit ganz am Anfang hinterhergesagt wurde, weil der menschliche Körper für diese Geschwindigkeit nicht ausgebaut ist.
[00:09:55 - 00:09:59] | Gerd Schöller
Und da ist ein wirkliches Erfolgsmodell.
[00:10:02 - 00:10:12] | Gerd Schöller
Was aktuell nicht gut läuft, wir unterhalten uns irgendwie gefühlt so alle vier Jahre in jeder Legislaturperiode über ein neues Ziel.
[00:10:13 - 00:10:33] | Gerd Schöller
Also das ist, als würden wir anfangen zu laufen, haben uns vorbereitet auf einen Marathon, dann sagt einer zwischendurch, ah, et spätsch nach acht Minuten, wir laufen doch nur zehn oder sagt an der Stelle, wir laufen Ultramarathon. Da habe ich dir vorher nicht gesagt, aber während der Reise kannst du dich neu drauf vorbereiten.
[00:10:34 - 00:10:40] | Gerd Schöller
Und das macht das unheimlich anstrengend. Und du hast eben kurz mein Buch vorgestellt.
[00:10:42 - 00:10:54] | Gerd Schöller
Als ich angefangen habe zu schreiben, war so diese These, okay Anfang August, kurz vor den wahlen, vor den normalen wahlen, schaffen wir mit dem Verlag gemeinsam rein, auch in der Diskussion.
[00:10:54 - 00:10:55] | Christopher Funk
Also letztes Jahr, ne?
[00:10:55 - 00:11:02] | Gerd Schöller
Ja, dieses Jahr, also die Entscheidung war letztes Jahr, wir hätten ja jetzt eigentlich wahlen haben sollen in einer normalen
[00:11:02 - 00:11:04] | Christopher Funk
Legislaturperiode.
[00:11:04 - 00:11:14] | Gerd Schöller
Ja. Und dann war der der Wunsch einfach zu sagen, ja, top, alles klar, wir kommen in die Wahlen rein und gehen genau in die Diskussion. Da kamen die Neuwahlen.
[00:11:15 - 00:11:25] | Gerd Schöller
Und ich hätte mir gerne zugetraut zu sagen, dass wir diese gleichen Diskussionen jetzt genauso nochmal führen, die wir eigentlich in einem Wahlkampf erwartet hätten.
[00:11:25 - 00:11:39] | Christopher Funk
Also du hast gesagt, was gut läuft ist, dass wir jetzt im Energiemix ja schon mehr erneuerbaren System haben als also verbrennende Energien oder konventionelle Energien. Was läuft noch gut?
[00:11:42 - 00:11:49] | Gerd Schöller
Ich glaube, wir sind aktuell in einem sehr, sehr guten Bereich, diese Lücke der Netzengpässe mit guten Batteriespeicherungen zu lösen.
[00:11:49 - 00:11:54] | Christopher Funk
Das ist aber ganz neu, dieser Trend. Das hat sich jetzt wirklich rasant entwickelt. Genau.
[00:11:54 - 00:12:11] | Gerd Schöller
Genau. Und da sind wir als Nation als als als Ingenieur Nation einfach auch total gut. Also dieses Thema Netzbildendewechselrichter, Unterstützung der Stromnetze. Da ist ein Thema, was wir aktuell wirklich gut, gut am entwickeln sind.
[00:12:11 - 00:12:15] | Christopher Funk
Und das könnte vielleicht noch mal ein Gamechanger sein, wenn wir das hinkriegen.
[00:12:16 - 00:12:17] | Christopher Funk
Das wird ja Gamechanger.
[00:12:17 - 00:12:30] | Gerd Schöller
Also ich habe mal gesagt, diese Energiewende braucht genau zwei Sachen. Das ist einmal ein Bügeleisen, um die volatile Energieerzeugung einfach zu glätten.
[00:12:30 - 00:12:54] | Christopher Funk
Volatilität heißt, dass du halt Spitzen hast im System, wo es ganz viel Strom gibt, mehr als wir überhaupt aufnehmen können. Oder dann halt auch teilweise die sogenannte Dunkelflaute im anderen Extrem, wo halt gar keine erneuerbare Strom entsteht. Wo da bewirktes Wetter hat mit wenig Wind. Also das sind so die größten Probleme, mit die das Netz aushalten muss eigentlich, wenn du mir auch für erneuerbare setzt.
[00:12:54 - 00:12:57] | Gerd Schöller
Du bist absolut der Profi.
[00:12:59 - 00:13:13] | Gerd Schöller
Genau so ist es. Und neben diesem Bügeleisen der Energiewende versuchen wir jetzt noch den ADAC ein bisschen reinzubekommen. Ich bin selbst Mitglied da, der einmal im Jahr eine Rechnung schickt, wenn ich in das brauche, stelle ich mir die Frage, wofür bezahl ich stehen.
[00:13:14 - 00:13:19] | Gerd Schöller
Was wären dann die Gaskraftwerke oder was? Das können auch die Batteriespeicher sein. Also eins von beiden.
[00:13:19 - 00:13:24] | Christopher Funk
Aber was ist das Bügeleisen, wenn die Batterien? Die Batteriespeicher können vieles.
[00:13:24 - 00:13:27] | Gerd Schöller
So everybody is darling.
[00:13:27 - 00:13:41] | Christopher Funk
Lass uns mal darauf eingehen. Ich habe dann den Artikel in der Wirtschaftswoche gelesen, dass da jetzt sehr viele Investoren auch einsteigen, weil du hast ja diesen merkwürdigen Effekt im Stromarkt, dass du halt Zeiten hast, wo quasi du Geld dafür bekommst, dass du den Strom abnimmst.
[00:13:43 - 00:13:55] | Christopher Funk
Und Stunden später kann es aber sein, dass du Höchstpreise dafür bekommst, dass du Strom abgibst. Das heißt, wenn ich jetzt eine Mega-Batterie hätte und einfach nur quasi den Regler von links nach rechts drehen könnte, ist es eigentlich die Lizenz zum Gelddrucken in dem System, oder?
[00:13:55 - 00:14:01] | Gerd Schöller
Ja, ein,
[00:14:02 - 00:14:10] | Gerd Schöller
jeder neue Marktbedarf oder ich glaube, Märkte anzuschieben, bedarf es etwas höherer Renditen als das in komplett gedeckten Märkten da ist.
[00:14:11 - 00:14:28] | Gerd Schöller
Heute haben wir die Möglichkeit, also dieser Volatilität, diese stochastische Energieerzeugung, mal viel, mal wenig. Da sehen wir halt auch in den Energiemärkten und diese Batteriespeicher versuchen dann natürlich günstig einzukaufen und teurer zu verkaufen.
[00:14:30 - 00:14:38] | Gerd Schöller
Das ist alles ein Hochfrequenzhandel, nennt man Arbitragehandel, der ein oder andere, der im Börsenbereich investiert ist, wird das kennen.
[00:14:39 - 00:14:44] | Gerd Schöller
Hier wird oft so eine negative Haltung dem ganzen unterstellt.
[00:14:45 - 00:14:55] | Gerd Schöller
Jetzt ist aber so gesamtwirtschaftlich, dass wir diese Situation haben, dass Arbitragehandel preisdämpfen wirkt, weil wir einfach diese Extreme rauskaufen.
[00:14:55 - 00:15:05] | Christopher Funk
Das ist ja jetzt teilweise so, dass die Windräder abgeschaltet werden müssen, wenn zu viel Strom da ist. Das heißt, wir verschwenden eigentlich verfügbare Energie, das macht da eigentlich viel weniger Sinn noch.
[00:15:06 - 00:15:14] | Gerd Schöller
Genau, also in Zeiten von hoher erneuerbaren Energieerzeugung sinkt unser Preis.
[00:15:15 - 00:15:19] | Gerd Schöller
Klassisch, also wir haben viel Energie, hohes Angebot, niedriger Preis.
[00:15:20 - 00:15:32] | Gerd Schöller
Und genau in der Stelle setzen wir mit den Speichern ein. Wir kaufen halt in diesen Zeiträumen die Energie ein, damit wir sie abends zur Verfügung haben. So, und der Batteriespeicher hat natürlich gerne Geld dafür.
[00:15:33 - 00:15:40] | Gerd Schöller
Und je höher die Spreizung zwischen niedrigem und hohem Preis, desto höher ist der Gewinn in den Batteriespeicher.
[00:15:40 - 00:16:14] | Christopher Funk
Und wenn wir jetzt noch ein cleveres Netz hätten, dann könnte das ja sogar jeder einzelne Verbraucher machen, der in der Batterie zu Hause hat, von seiner solaren Lage oder sogar von seinem Auto, das er quasi auch Arbitragehandel betreibt und einfach sagt, hey, es lohnt sich jetzt nicht, mein Auto zu laden, es würde sich viel mehr lohnen, wenn wir die Batterie, das was ich in der Batterie habe, ins Netz abzugeben und dann lad ich lieber ein paar Stunden später. Also wenn das funktioniert, dann wäre das ja genial. Ich habe auch mal mit jemandem gesprochen, der gesagt hat, wenn wir mal auf Elektroauto umgestellt haben, ist das Thema und ein digitales Netz haben, ein stabiles, ist das Thema Speicher eigentlich kein Thema mehr, weil wir so viele Speicher, also mehr als genug Speicher hätten.
[00:16:15 - 00:16:30] | Gerd Schöller
Du hast eben gefragt, was wir wirklich gut können als Land, wo man stolz drauf sein kann. Das habe ich so ein bisschen ganz krass gesagt. Wir haben es wirklich geschafft, diese intelligenten Zähler, diese intelligenten Messsysteme, anders als Spanien, die Niederlande, Belgien, jetzt in Hamburg.
[00:16:30 - 00:16:31] | Christopher Funk
Nicht einzubauen.
[00:16:31 - 00:16:37] | Gerd Schöller
Genau, also wir haben das wirklich konsequent geschafft, unter einem Prozent zu halten.
[00:16:39 - 00:16:40] | Christopher Funk
Aber warum? Warum?
[00:16:41 - 00:16:51] | Gerd Schöller
Also ich habe damit ganz viel zu tun. Wir in Deutschland sind so, wir wollen nichts falsch machen, sondern wir testen das und testen das und testen das.
[00:16:54 - 00:17:09] | Gerd Schöller
Das hat doch was ganz, ganz Tolles. Also wenn du in irgendein großes Gebäude gehst und du hast zwei Fahrstühle, einen Hersteller kennst du gar nicht und da steht ein Thyssenkrupp-Fahrstuhl, dann wissen wir beide, mit welchem du eher fahren würdest.
[00:17:11 - 00:17:14] | Christopher Funk
Nachdem ich in welchem Land ich bin, sag ich auf jeden Fall ja.
[00:17:14 - 00:17:40] | Gerd Schöller
Und genau so ist das bei uns. Wir müssen erst 120 Prozent als Lösung haben, bevor wir das einbauen. Und wir diskutieren Datenschutz. Die intelligenten Messsysteme müssen datenschutzmäßig auf dem allerhöchsten Niveau sein. Die müssen technisch auf hohem Niveau sein. Wir haben tolle Begrifflichkeiten für den Einbau von elektronischen Zählern.
[00:17:42 - 00:17:44] | Gerd Schöller
Also das haben wir alles.
[00:17:45 - 00:17:53] | Gerd Schöller
Also wenn alle Regularien erfüllt worden wären, dann könnten wir das wirklich, wirklich als allerbeste Nation.
[00:17:54 - 00:17:54] | Christopher Funk
Aber wir machen es nicht.
[00:17:54 - 00:18:07] | Gerd Schöller
Genau, weil wir noch nicht 120 Prozent erfüllt haben, während andere Nationen schon den zweiten Rollout haben. Und die haben Spanien, Italien, die haben die gleichen europäischen Normungen.
[00:18:08 - 00:18:19] | Gerd Schöller
Zusätzlich dazu haben wir in Deutschland über 800 Netzbetreiber, wovon wir mindestens 700 unterschiedliche Herangehensweisen haben.
[00:18:21 - 00:18:22] | Gerd Schöller
Das ist ein bisschen historisch.
[00:18:22 - 00:18:23] | Christopher Funk
Okay,
[00:18:25 - 00:18:33] | Christopher Funk
also du hast mir gesagt, was wir gut machen. Wir sind bei den Erneuerbaren gut. Wir sind bei Innovationen relativ weit vorne, wenn ich das richtig verstanden habe.
[00:18:34 - 00:18:40] | Christopher Funk
Wir sind wahrscheinlich ein bisschen zu perfektionistisch, wahrscheinlich auch ein bisschen überreguliert,
[00:18:41 - 00:18:43] | Christopher Funk
möglicherweise. Was ist denn jetzt so die,
[00:18:45 - 00:19:16] | Christopher Funk
wenn wir deinen Buch angucken, also wir haben jetzt so ein bisschen die Problematien geschildert, du hast ja auch gesagt, okay, das ist natürlich auch ein ideologisch hoch aufgeladenes Thema. Da gibt es dann die Kernkraft-Ritter, die wir wieder zurück wollen. Mir erzählt auch irgendwie alle zwei Wochen jemand, ja, es gibt jetzt diese Minikernkraftwerke, das wird auch super. Man kann sich dann jeder in die Garage stellen und quasi CO2-freie Stromerzogen, wobei, wenn du nachguckst, die gibt es gar nicht, die Dinger. Und ob sie irgendwann mal geben wird, ist noch lange nicht raus. Also darauf zu setzen, ist glaube ich schwierig. Also das ist ideologisch aufgeladen, das Thema.
[00:19:17 - 00:19:40] | Christopher Funk
Wie sieht denn der Weg in die Zukunft aus? Also wir haben sicherlich ein Problem auch bei der Erzeugung, also bei dem Verbrauch, beim Industrieverbrauch, dass das die Kosten der Produktion treibt, was nicht gut ist. Weil wir eh schon kein billiglosen Land sind, oder billiglosen Land sind zum produzieren. Wie ist denn der Pfad in die Zukunft aus deiner Sicht als Experte, als Insider?
[00:19:43 - 00:19:44] | Gerd Schöller
Vielschichtig.
[00:19:46 - 00:19:47] | Christopher Funk
Mach's
[00:19:47 - 00:20:09] | Gerd Schöller
nicht so kompliziert für uns, bitte. Ganz, ganz viel Verantwortung. Wir müssen nochmal Verantwortung übernehmen, auch selber Verantwortung übernehmen, gerade im Bereich der Unternehmen und Unternehmern. Diese Transformation der Energiewelt ist halt ähnlich wie damals die industrielle Revolution. Wir stellen alles nochmal in Frage und verändern in Summe alles.
[00:20:11 - 00:20:17] | Gerd Schöller
Diese Verantwortung der Unternehmer, sich vielleicht auch drum zu kümmern, wo die Energie herkommt.
[00:20:18 - 00:20:20] | Gerd Schöller
Und Energie kommt leider nicht einfach aus der Steckdose.
[00:20:22 - 00:20:49] | Gerd Schöller
Das hoffe ich nochmal, dass das wirklich zu einem Umschwung führt, weil wir auch dadurch nochmal signifikante Preisreduktionen mit reinbeziehen können. Also wenn heute schon Unternehmen Energie direkt aus Solarparks, aus Windparks, mit einkaufen, haben wir heute schon die Möglichkeit den Strompreis, den Erzeugungspreis, um 10, 15 Prozent zu reduzieren. Okay, das wusste ich nicht.
[00:20:50 - 00:20:56] | Gerd Schöller
Und genau damit, wenn sich Menschen mit diesem Thema beschäftigen, dann findet man auch Lösungen.
[00:20:57 - 00:21:27] | Gerd Schöller
Nur sich irgendwo hinzusetzen und zu erzählen, die Energie ist so teuer, da ist leider zu einfach. Da ist ähnlich dem Thema, wir haben Fachkräftemangel, ja, den haben wir, aber dann müssen wir dem entgegentreten. Da müssen wir auch interessante Angebote machen, die wir auch annehmen können. Und im Energiebereich ist das einfach genauso. Und diese Verantwortung, die ist vielleicht auch im Mittelstand gelagert, weil viele der mittelständischen Unternehmen trotz allem Ärger, wir verlagern die Standorte sonst irgendwo hin.
[00:21:28 - 00:21:42] | Gerd Schöller
Aber viele Unternehmer sind auch irgendwo zu Hause. Also ich selbst lebe 20 Kilometer von Tria entfernt, da sitzt unser Unternehmen. Hört man gar nicht. Ich kenne mir dem Traum, auf die Idee, mein Unternehmen ein europäisches Ausland zu verlagern.
[00:21:43 - 00:21:54] | Gerd Schöller
Und für viele Handwerksbetriebe funktioniert das auch gar nicht. Also eine Großbeckerei um die Ecke. Natürlich kann ich ihn nach Polen verlagern, aber das will doch gar keiner.
[00:21:56 - 00:22:13] | Gerd Schöller
Wir wollen mit Ideen und mit vielen Themen dran gehen. Zusätzlich, finde ich, darf der Staat auch den Weg vorgeben, aber bis ins kleinste Detail zu regulieren, wie Unternehmen CO2 reduzieren.
[00:22:14 - 00:22:21] | Gerd Schöller
Ich weiß nicht, ob das gegebenenfalls einfach ein Stück zu weit ist und viele frei denkender Menschen.
[00:22:22 - 00:22:40] | Gerd Schöller
Und vor allem auch Unternehmer eher in so eine ablehnende Haltung mit reingibt, weil ich will mir überhaupt nicht vorschreiben, was ich tun und lassen soll, sondern ich würde gern selbst mitgestalten und mitentscheiden. Du hast viele Unternehmerinnen und Unternehmer kennengelernt. Vielleicht auch in deren DNA.
[00:22:42 - 00:22:53] | Christopher Funk
Mal uns doch mal ein Bild, wie malst du dir denn die Zukunft aus? Wenn du sagst, hey, das Ganze entwickelt sich in die richtige Richtung, wo stehen wir in fünf Jahren?
[00:22:54 - 00:22:56] | Christopher Funk
Wie sieht dann die Energiewelt aus?
[00:22:58 - 00:23:03] | Gerd Schöller
Wir werden definitiv mit dem Tempo weiterbauen – an den Erneuerbaren, so wie wir es aktuell haben.
[00:23:04 - 00:23:07] | Christopher Funk
Das heißt, wo werden wir in fünf Jahren? 80 Prozent?
[00:23:08 - 00:23:11] | Gerd Schöller
Ja, nicht ganz, aber 75 bis 80 Prozent sollten wir sein.
[00:23:13 - 00:23:29] | Gerd Schöller
Wir haben aber auch noch ein Wärmesektor, den wir damit reinbauen müssen, der auch ungefähr am gesamten Energieverbrauch nochmals zusätzchen Drittel ausmacht und den kompletten Verkehrssektor. Also aktuell sind wir bei 65 Prozent von einem Drittel des kompletten Verbrauchers.
[00:23:30 - 00:23:48] | Gerd Schöller
Da sehe ich einfach einen signifikanten weiteren Ausbau und eine stärkere Elektrifizierung. Zusätzlich dazu, wenn unsere Automobilhersteller mal einen Trend erkennen, auch auf Elektromobilität zu setzen,
[00:23:49 - 00:23:56] | Gerd Schöller
haben wir die Situation, dass wir in der Vergangenheit fahrende Heizungen hatten, in Zukunft werden wir fahrende Batterien haben.
[00:23:57 - 00:24:01] | Christopher Funk
Fahrende Heizungen bedeutet, dass die mehr Wärme abgeben?
[00:24:01 - 00:24:13] | Gerd Schöller
Genau, wir haben keine Ahnung, 20 Prozent Wirkungsgrad auf einem Auto, weil es in Bewegungshenergie übertragen wird, 80 Prozent gehen in die Luft, also energetisch so ein bisschen doof.
[00:24:15 - 00:24:58] | Gerd Schöller
Aber das waren fahrende Heizungen, jetzt bauen wir fahrende Batterien und wenn wir diese fahrenden Batterien übertragen oder angeschlossen bekommen, und da meine ich so online, richtig am Kabel, und mit denen steuern können, bidirektionales Laden, dann haben wir was ganz Tolles geschaffen, weil dann haben wir so einen riesigen Schwarm an Elektroautos, die wir tagsüber laden können, wir können die Energie mit nach Hause fahren, können den Abends dieses Auto nochmal bei uns mit anschließen und können die Energie, die wir tagsüber geladen haben, am Abend und Nachts auch noch zu Hause brauchen. Und das zusätzlich gepaart mit der Digitalisierung der Energiewelt, intelligente Messsysteme, KI-gestützte Anwendungen,
[00:24:59 - 00:25:08] | Gerd Schöller
wenn wir diese Kombination hinbekommen, dann haben wir ein System geschaffen, welches wir in nahezu die komplette Welt exportieren können.
[00:25:09 - 00:25:11] | Christopher Funk
Okay, das ist ja eigentlich ein positiver Ausblick, oder?
[00:25:13 - 00:25:17] | Christopher Funk
Absolut. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir dahin kommen? Aus deiner Sicht heute?
[00:25:20 - 00:25:23] | Gerd Schöller
Ich will mir keine Welt ausmalen, in der wir es nicht schaffen,
[00:25:24 - 00:25:26] | Gerd Schöller
weil dann reden wir aber ganz, ganz anderer Themen.
[00:25:28 - 00:25:33] | Gerd Schöller
Deswegen, für mich ist die Alternative so bescheiden,
[00:25:34 - 00:25:37] | Gerd Schöller
dass wir jeden Tag daran arbeiten, dass wir das schaffen.
[00:25:38 - 00:25:45] | Christopher Funk
Okay, und du sagst ja, eigentlich sind die Voraussetzungen auch da, ne? Was ist mit Netzausbau, was ist da noch wichtig vielleicht?
[00:25:48 - 00:26:08] | Gerd Schöller
So eine deutsche, miese-pädrige Stellung mal aufzugeben. Also ich muss nicht bei jedem Bauvorhaben diskutieren, soll er jetzt in die Luft oder soll es in den Boden? Ich meine, da gibt es ja die tollsten Bilder, Menschen, die sich mit irgendwelchen Rühren an Strommasten stellen, die dann leuchten.
[00:26:10 - 00:26:12] | Gerd Schöller
Also, bei manchen Leuten,
[00:26:13 - 00:26:27] | Gerd Schöller
also, wie sind irgendwo falsch abgebogen, bei solchen Themen. Und ich will nicht alles über einen Kamm zu scheren, also mit Nichten. Das ist auch ein hohes Gut, dass man mitsprechen kann. Aber in der eigenen Einstellung, vielleicht auch den Kompromiss zu sehen.
[00:26:27 - 00:26:40] | Christopher Funk
Gut, das ist die klassische Not-in-my-Backyard. Genau. Einstellung, ne? Also, wenn ich super Energiewende, aber nicht bei mir um die Ecke und nicht in meinem Garten und auch nicht in 100 Meter Entfernung und Windräder will ich auch keine sehen.
[00:26:43 - 00:26:46] | Gerd Schöller
So ein Atomkraftwerk im Vorgarten sieht auch nicht schön aus.
[00:26:46 - 00:26:54] | Christopher Funk
Finde ich auch. Ich sag auch mal, wenn die Landschaft so verspricht, ich so, ja, aber so ein Kohlekraftwerk sieht auch super schick aus, wenn es so aufragt. Also, das hat ja was, ne?
[00:26:54 - 00:27:04] | Gerd Schöller
Ich war Ostern am Hambacher Loch, weil ich war ewig nicht mehr da und wollte dieses riesige Loch mal sehen. Also, da stehen dann noch 2, 3 Windräder im Hintergrund.
[00:27:06 - 00:27:09] | Gerd Schöller
Also, das Loch stört mich mehr als die Windräder dahinter.
[00:27:10 - 00:27:26] | Christopher Funk
Also, ich bin ja in Aachen aufgewachsen und wir hatten das Kohlekraftwerk oder haben das Kohlekraftwerk Weisweiler vor der Tür. Das heißt, eigentlich gab es keinen Tag, wo du blauen Himmel hattest, sondern du hattest eigentlich immer Wolken am Himmel. Also, kann man schön finden, muss man aber nicht.
[00:27:28 - 00:27:37] | Gerd Schöller
Dieses komplette Rohrgebiet hat es ja geschafft, da so ein bisschen romantisch auch darzustellen. Also, die alten Zechen, Zollverein, etc. Pp. Das sind ja ganz, ganz tolle Sachen.
[00:27:38 - 00:27:43] | Gerd Schöller
Nur in den Spitzenzeiten war das keine schöne Region.
[00:27:44 - 00:27:59] | Christopher Funk
Okay, lass uns doch mal über Weichenstellungen sprechen. Also, du hast gesagt, klar, das muss sich in den Köpfen was ändern. Also, die Blockaderhaltung müssen wir vielleicht ein bisschen aufgeben, müssen nicht so kompliziert machen. Wie sieht es auf der politischen Seite aus? Sind wir da jetzt auf dem richtigen Weg aus deiner Sicht?
[00:28:02 - 00:28:09] | Gerd Schöller
Diese Diskussionen, die wir aktuell führen, das sind halt die Diskussionen, wo wir den Weg,
[00:28:10 - 00:28:14] | Gerd Schöller
wo wir dieses Ziel nochmal neu diskutieren und gar nicht mehr den Weg.
[00:28:15 - 00:29:09] | Gerd Schöller
Und in den letzten Jahren hat man auch vieles richtig gemacht zwischen durch, neben den Streitereien, die mit Sicherheit echt problematisch sind. Nur jetzt fangen wir an, wieder zu diskutieren, wie das Ziel sein soll. Und dann wird auf einmal Gas wieder als Technologie komplett mit integriert. Dieser Deal mit Trump, wo die Zollpreise mit in den Energie-Deal eingeflossen sind, das war eine Entscheidung, die man eigentlich so nicht nachvollziehen kann. Da hätte man auch ein Green Deal draus machen können. Energie, ja, aber dann gerne Absatzmengen für CleanTech-Komponenten, die wir aus den USA beziehen als Gegenteal. Das wäre ein Thema gewesen. Ansonsten verfolgen wir diese Strategie Drill, Baby, Drill von Trump genau mit dieser Politik weiter.
[00:29:10 - 00:29:20] | Christopher Funk
Gut, was draus wird, weiß ja noch keiner, ob das jetzt nur auf dem Papier mal stand oder überhaupt nicht mal auf dem Papier gekommen ist, sondern einfach nur als Slogan rausgeblasen worden ist. Das müssen wir mal sehen.
[00:29:22 - 00:29:59] | Christopher Funk
Vielleicht noch Gas, hast du gerade angesprochen. Brauchen wir jetzt eigentlich diese Gaskraftwerke als Übergangstechnologie oder als Puffertechnologie, also wenn wir eigentlich das grundsätzliche Problem bei erneuerbaren Energien, dass es vielleicht Zeiten gibt, wo einfach nicht genug Energie produziert wird und wir dann quasi einen Brown-Out haben, also eine lokale Abschaltung der Netze oder eventuell sogar ein Black-Out, dass wir nicht produzieren können, wenn wir halt das Netz nicht stabilisieren können. Und wenn es das richtig verstanden hat, braucht man dafür halt idealerweise schnell anwerfbare Kraftwerke, die dann halt diese Grundspannung liefern, die wir dann brauchen. Brauchen wir die jetzt noch oder kommen wir jetzt mit der Batteriettechnologie hin?
[00:30:01 - 00:30:04] | Gerd Schöller
Wenn wir die Gaskraftwerke so schnell bauen wie andere Infrastrukturprojekte,
[00:30:06 - 00:30:11] | Gerd Schöller
dann wird glaube ich die Entwicklung der Batteriespeicher, die Notwendigkeit der Gaskraftwerke,
[00:30:11 - 00:30:15] | Christopher Funk
irgendwo einholen. Wir haben noch nicht mal mit dem Planfeststellungsverfahren begonnen.
[00:30:17 - 00:30:20] | Gerd Schöller
Ein Gaskraftwerke irgendwo hinzubauen. Nun ja!
[00:30:24 - 00:30:28] | Christopher Funk
Da gibt es glaube ich schon Bürgerinitiativen von Gemeinden, die die gerne bei sich hätten, die Gaskraftwerke.
[00:30:29 - 00:30:41] | Gerd Schöller
Wir werden auf jeden Fall nochmal Back-up-Leistung brauchen. Also was wir energetisch machen ist, dieses komplette Energiesystem vom Beinen auf den Kopf zu stellen und jetzt auch nochmal andersrum.
[00:30:42 - 00:30:46] | Gerd Schöller
Wir brauchen noch mit Sicherheit an der einen oder anderen Stelle eine Back-Up-Struktur.
[00:30:47 - 00:31:34] | Gerd Schöller
Aber die müssen auch zukunftsfähig sein. Also diese Wasserstoffstrategie dieser Gaskraftwerke, die ist eine essenzielle und das sollte dann auch im Fokus stehen. Wo ich so ein bisschen wirklich Probleme damit habe, ist, wir haben eine gut funktionierende Biogasstruktur in Deutschland. Das sind Mini-Gaskraftwerke. Die sind da. Die werden von Landwirten betrieben. Warum wir denen nicht die Möglichkeit geben, 20, 25, 30 Prozent dieser Kraftwerkstrategie zu sein. Die sind ja da. Die müssen nicht neu gebaut werden. Die haben die Genehmigung. Die bauen wir jetzt zurück, weil wir keinen wirtschaftlichen Betrieb damit heute mehr für die Landwirte gewährleisten können.
[00:31:34 - 00:31:37] | Christopher Funk
Echt? Trotz des Strompreises? Wie kann das sein?
[00:31:39 - 00:31:48] | Gerd Schöller
Biogasanlagen sind nie am Strompreis attraktiv gewesen. Biogasanlagen brauchen einfach einen relativ hohen Preis, um attraktiv zu sein.
[00:31:49 - 00:32:01] | Gerd Schöller
Wenn wir aber über Dunkelfläute oder Ähnliches sprechen, wenn dann die Kilowattstunde 1 Euro kostet, dann sagen alle Boah, 1 Euro, mega teuer, mega teuer. Ja, aber die Dosis macht doch das Gift.
[00:32:02 - 00:32:11] | Gerd Schöller
Wenn ich keine alternativen Erzeugungsformen habe und ich habe für 50, 60 Stunden pro Jahr diesen Preis,
[00:32:13 - 00:32:15] | Gerd Schöller
dann kann ich den ja umlegen und kann dann immer noch sagen,
[00:32:17 - 00:32:29] | Gerd Schöller
von meiner Laufzeit pro Jahr erlaube ich mir das. Dann hätten wir doch eine Option und dann könnten wir auch 1 Euro sehr hochgegriffen, aber dann könnten wir doch auch Spitzenpreise für Spitzenleistung mitzahlen. Ja,
[00:32:29 - 00:32:46] | Christopher Funk
ich glaube, wie gesagt, wenn wir eine Technologie haben, eine Option haben, das abzupuffern, das ist glaube ich nicht das Thema. Dann lassen wir uns auch noch mal auf dich zurückkommen als Unternehmer. Du bist ja wahrscheinlich oder eure Company ist ja wahrscheinlich auch Berg und Tal gefahren in den letzten Jahren. Wie siehst du denn für euch als Unternehmer die Perspektive in Deutschland?
[00:32:48 - 00:32:55] | Gerd Schöller
Wir waren so viel Berg und Tal gefahren, dass wir bei uns in der Branche irgendwann mal den Begriff Solarcoaster entwickelt haben.
[00:32:55 - 00:32:58] | Christopher Funk
Also quasi achterbahn mit Solar.
[00:32:58 - 00:33:09] | Gerd Schöller
Ja, genau. Wir sind sehr breit aufgestellt. Bei uns kannst du vom Solarmodul bis zu einem riesigen Solarpark und Batteriespeicher kaufen.
[00:33:10 - 00:33:22] | Gerd Schöller
Das macht es für uns eigentlich ganz gut. Es ist immer eine Kundengruppe, die mal schlechter funktioniert, eine Kundengruppe, die mal besser funktioniert. Deswegen bin ich nach wie vor sehr, sehr positiv.
[00:33:22 - 00:33:25] | Christopher Funk
Was funktioniert so momentan besonders gut?
[00:33:26 - 00:33:40] | Gerd Schöller
Ich glaube, große Anlagen ist aktuell wirklich ein gutes Thema. Dann zusätzlich werden wir Batteriespeicher einfach als zentrales Thema haben. Also da ist wirklich der Megatrend der Zukunft.
[00:33:42 - 00:33:44] | Christopher Funk
Wo kommen die Batteriezellen her?
[00:33:46 - 00:33:52] | Gerd Schöller
Dadurch, dass wir in Deutschland das nicht geschafft haben, eine Zellfertigung hinzubekommen, ist das fest in chinesischer Hand?
[00:33:53 - 00:33:56] | Gerd Schöller
Ich glaube, diese Messe ist auch gelesen.
[00:33:58 - 00:34:05] | Gerd Schöller
Ist immer ein Folgefehler vielleicht auch aus der Handyentwicklung, aus der Smartphone-Entwicklung raus, weil die Zellen oftmals da gefertigt werden.
[00:34:08 - 00:34:16] | Gerd Schöller
Was wirklich aktuell so ein bisschen problematisch ist, ist vor allem durch diese politische Diskussion des Privatkundenbereichs. Wir diskutieren wieder,
[00:34:17 - 00:34:30] | Gerd Schöller
müssen Privatkunden noch eine separate Förderung bekommen. Herr Krebber von RWE hat diese Diskussion noch mal angefangen, wir wollen Privatkunden an den Netzausbaukosten beteiligen.
[00:34:31 - 00:34:41] | Gerd Schöller
Dann waren letztes Jahr Vorzieheffekte aufgrund von Förderungen da. Und diese Unsicherheit macht Märkte kaputt.
[00:34:42 - 00:34:59] | Gerd Schöller
Gerade den Privatkunden, die für die Energiewende eine zentrale Rolle spielen, sind halt sehr sensibel. Und komplizierte Produkte zu verkaufen, dann passiert nachher eins, es kauft einfach keiner mehr, weil es keiner mehr versteht.
[00:34:59 - 00:35:01] | Christopher Funk
Was meinst du mit komplizierten Produkten?
[00:35:04 - 00:35:26] | Gerd Schöller
Eine Solaranlage zu verkaufen ist ja, oder beim Privatkunden ist ja grundsätzlich, du erzeugst deinen Strom, den du selbst brauchst, für dich selbst, den kannst du noch ein bisschen dazwischen speichern und den Rest verkaufst du. Das ist ganz grob zusammengefasst Geschäftsmodell Solar. Du brauchst noch eine Ladeinfrastruktur zu Hause dabei, letztes Auto mit der Energie, Mega-Geschichte.
[00:35:26 - 00:35:29] | Christopher Funk
Das heißt, würdest du das grundsätzlich empfehlen?
[00:35:29 - 00:35:33] | Gerd Schöller
Ja, definitiv. Macht nach wie vor riesig viel Sinn.
[00:35:35 - 00:35:40] | Gerd Schöller
Wir haben nur die Situation, dass wir dazu jetzt die Diskussion haben,
[00:35:41 - 00:35:56] | Gerd Schöller
soll jeder Privatkunde nochmal so und so viel Euro pro Jahr zusätzlich bezahlen für die Nutzung des Netzanschlusses. Dann haben wir die Frage bekommt, der Kunde in Zukunft noch eine Vergütung.
[00:35:57 - 00:35:58] | Gerd Schöller
Für jede Kilowattstunde, die er weiterverkauft,
[00:36:00 - 00:36:06] | Gerd Schöller
wollen wir die Prosumer, also Produzenten und Verbraucher,
[00:36:07 - 00:36:13] | Gerd Schöller
wollen wir die irgendwie anders noch mit belasten, wollen wir die mehr in die Verantwortung mit reinbekommen.
[00:36:14 - 00:36:18] | Gerd Schöller
Da bekommt man doch einem Nicht-Profi auch irgendwann gar nicht mehr erklärt.
[00:36:19 - 00:36:27] | Gerd Schöller
Ja. Und dieses Keep-it-simple, um den Kunden dieses Geschäftsmodell zu erklären, hört dann irgendwann auf, weil die Kunden aussteigen und unsicher sind.
[00:36:27 - 00:36:34] | Christopher Funk
Das heißt, es ist von der Politik nicht gewollt, dass die Leute sich ihre Solaranlagen aufs Dach knallen.
[00:36:35 - 00:36:41] | Gerd Schöller
Die aktuellen Handlungen und Aussagen zeigen genau dieses Bild, dass es nicht gewollt ist.
[00:36:41 - 00:36:44] | Christopher Funk
Und warum? Deine Meinung nach?
[00:36:47 - 00:36:51] | Gerd Schöller
Das ist eine gute Frage.
[00:36:53 - 00:37:00] | Gerd Schöller
Eigentlich sind viele der Privatkunden, die tragen die Säule dieser Energiewende, weil sie eine unheimliche Akzeptanz geschaffen haben.
[00:37:01 - 00:37:15] | Gerd Schöller
Die Bezugsleistungen bei den einzelnen Gebäuden werden halt niedriger. Und Solidaritätsprinzip funktioniert halt nur dann, wenn ich viel Masse habe, die dieses Solidaritätsprinzip tragen.
[00:37:16 - 00:37:33] | Gerd Schöller
Denn wenn natürlich jede Kilowattstunde, die im Netz nicht über das Netz geliefert wird, fehlt natürlich bei den Netznutzungsentgelten. Also, wenn du eine Autobahn hast, wo nur zwei Autos drüberfahren und auf zwei Autos die Maut übertragen musst, dann wird es relativ teuer.
[00:37:33 - 00:37:39] | Christopher Funk
Okay, das heißt, es ist eigentlich politisch gewollt, dass die Leute eher Strom ziehen als Strom abgeben oder selbst produzieren.
[00:37:41 - 00:37:44] | Gerd Schöller
So scheint aktuell die Aussage unseres Wirtschaftsministeriums ist darin zu sein.
[00:37:44 - 00:37:45] | Christopher Funk
Okay.
[00:37:46 - 00:37:55] | Christopher Funk
Okay, wir haben ja vorhin ein positives Bild gemalt, wie sich das Ganze entwickeln kann in fünf plus Jahren. Ist das deiner Meinung nach noch reversibel?
[00:37:56 - 00:37:58] | Christopher Funk
Also, könnte es auch ein Rollback geben?
[00:38:01 - 00:38:13] | Gerd Schöller
Wir haben so viel Geld investiert, so tolle Technik mit rein. Die ist so breit und divers aufgestellt. Und da stehen so viele Menschen dahinter, dass ich mir das nicht vorstellen kann. Also, da würde ich auch ganz klar sagen,
[00:38:14 - 00:38:23] | Gerd Schöller
diese Wende ist nicht mehr zurückzudrehen. Also, diese Disruption ist in vollem Gange.
[00:38:24 - 00:38:30] | Christopher Funk
Und wir sind eigentlich schon über den Sweetspot raus. Wir sind eigentlich schon eigentlich über den steilsten Berg drüber.
[00:38:31 - 00:38:48] | Christopher Funk
Zu 100 Prozent. Was haben wir da eigentlich hinter uns? Also, jetzt wird es eigentlich einfacher. Also, wir haben ein Großteil des Ausbaus geschafft, der ja auch finanziert werden musste. Und deswegen natürlich hat die Strompreise erhöht hat. Jetzt kommen halt noch der Netzausbau und noch ein paar andere Themen. Aber eigentlich müsste es ja jetzt leichter gehen,
[00:38:49 - 00:38:51] | Christopher Funk
wenn wir jetzt noch 50 Prozent vor uns haben, oder?
[00:38:53 - 00:39:07] | Gerd Schöller
Die Gegner, also die alte Energiewelt, die fossile Energiewelt, hat aber noch so viel politische Macht und Einflussnahme, dass da immer noch ein extremer Gegenwind kommt.
[00:39:10 - 00:39:16] | Gerd Schöller
Das wertvollste Unternehmen dieser Welt kommt aus dem Bereich Öl.
[00:39:18 - 00:39:39] | Gerd Schöller
Und das zeigt eigentlich die Stellung, die fossile Energien heute immer noch haben. Und wir haben ganz viel in den letzten Jahren auch gesehen, wo Geldflüsse über Beraterverträge sind. Aserbaidschan, welches sich herausgeschmückt hat. Und Gelder, irgendwo hin über Beraterverträge geschoben hat.
[00:39:40 - 00:39:46] | Gerd Schöller
Da sehen wir einfach, wie viel Einflussnahme da noch dabei ist.
[00:39:47 - 00:40:00] | Christopher Funk
Eigentlich ist es ja ein Wandel, wenn ich darüber nachdenke von der Oligarchie. Also wenige Anbieter eigentlich im Markt zu einer Plutokratie oder sogar einer Demokratie. Wenn wir plötzlich alle Produzenten sind,
[00:40:01 - 00:40:13] | Christopher Funk
dann ist das Netz dann ja eigentlich nicht mehr angreifbar. Also du kannst keinen Kraftwerk mehr kaputt machen, so viel kannst du gar nicht kaputt machen. Und das ist doch eigentlich das schöne Vision, oder?
[00:40:14 - 00:40:16] | Christopher Funk
Natürlich für die Oligarchen nicht so schön.
[00:40:18 - 00:40:32] | Gerd Schöller
Versuchen nämlich ganz viele Leute ihre alte Stellung zu verteidigen. Und das kann ich verstehen aus einer intrinsischen Motivation. Wenn das mein Erfolgsmodell ist, dann will ich doch daran festhalten. Ich habe heute Morgen noch eine Anfrage bekommen,
[00:40:33 - 00:40:34] | Gerd Schöller
wieder den Bau eines Solarparks in der Ukraine.
[00:40:35 - 00:40:37] | Gerd Schöller
Also den Bau eines Solarparks in der Ukraine.
[00:40:40 - 00:40:45] | Gerd Schöller
Diese Resilienz, gerade in dem Extrem, ist mit einem erneuerbaren Thema einfach eine ganz andere.
[00:40:46 - 00:40:51] | Gerd Schöller
Weil ich so viele Anlagen habe, die netzstützend im Optimalfall und netzbildend sind,
[00:40:53 - 00:40:58] | Gerd Schöller
dass ich gar nicht mehr zentralisiert auf Kraftwerke draufgehen kann, um die zu zerstören.
[00:40:59 - 00:41:00] | Christopher Funk
Guter Punkt.
[00:41:01 - 00:42:33] | Christopher Funk
Okay, mein Lieber. Also, lass uns doch mal einen Abschluss finden. Also, wir haben darüber gesprochen, wir haben so ein bisschen über die Probleme gesprochen, die wir im Anlauf hatten, natürlich auch durch politische Wechsel. Wir haben darüber gesprochen, dass wir eigentlich so das schwierigste hinter uns haben, dass wir natürlich noch ein paar Themen vor uns haben, aber auch, dass ich durch die Beschleunigung der technologischen Wandels, gerade Batterietechnik und so weiter, jetzt ganz neue Optionen ergeben, Digitalisierung des Netzes, wo wir dann auch wirklich quasi die Spannung viel besser, wo wir die Last viel besser balanzen können. Also theoretisch, wenn jeder Waschmaschine so ein Ding hat oder damit verbunden ist, kann die Waschmaschine entscheiden. Ich wasche erst heute Nacht, wenn der Strom billig ist oder mittags, wenn halt die Sonne scheint. Und zwischendurch sag ich dem Elektroauto in der Garage, dass der E-Dienstwagen Strom hat, gibt den Strom grad mal ab, gerade lohnt sich es. Und lade, wenn es günstig ist, dann hast du natürlich ein System, wo der Strompreis auch wahrscheinlich deutlich günstiger werden kann und du auch eine versorgungssichere Lage haben kannst. Also so würde ich jetzt mal die Vision beschreiben, die wir beschrieben haben. Wir haben noch ein paar Roadblocks vor uns, noch ein paar große dicke Bretter zu bohren. Ich glaube, das Thema Netzausbau, das haben wir jetzt gar nicht so angesprochen. Da ist, glaube ich, noch ein dickes Brett auch in den Köpfen zu lösen. Aber ich sehe bei dir auf jeden Fall noch sehr viel Optimismus, dass wir in die Richtung gehen. Und wenn ich die Vision verstanden habe, könnte das, wenn wir das hin gekriegt haben, könnte das eigentlich auch ein Modell sein, dass wir exportieren können, richtig?
[00:42:34 - 00:42:42] | Christopher Funk
Absolut gut zusammengefasst. Cool. Mein lieber Gerd, wie kann man mit dir in Kontakt treten? Wie kann man mehr von euch erfahren, von dir erfahren?
[00:42:43 - 00:42:53] | Gerd Schöller
Gerne auf gerd-schoeller.de. Auf meiner Internetseite stehen meine Kontaktdaten überlinkt in über die Unternehmensseite. Also, ihr
[00:42:53 - 00:43:27] | Christopher Funk
könnt mich finden. Das Buch heißt Hochspannung, kann man sich sehr gut merken. Gerd Schöller, glaube ich, wie das Eis, GER-D-E-L-E-R. Und deine Firma heißt SCHÖNERGIE. Also SCHÖNERGIE, SCHÖNERGIE, auch einmal draufschauen. Vielen, vielen Dank für die Insights. Ich fand die Diskussion super spannend. Ich habe auch im privaten Umfeld, es ist echt interessant, sehr viele diese Diskussionen. Und vielen Dank für deinen Blick auf die Dinge. Und auch vielen Dank für den positiven Ausblick, mein lieber. Super. Vielen, vielen Dank, Christopher. Mach's gut.
[00:43:27 - 00:43:28] | Gerd Schöller
Tschüss.