Welche Provision passt wann? Was im Vertrieb funktioniert – und was nicht. Mit Alexander Dosse
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Libsyn. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere Informationen ‚Welche Provision passt wann? Was im Vertrieb funktioniert – und was nicht. Mit Alexander Dosse
Geschätzte Lesedauer: 9 Minuten
Provisionsmodelle im Vertrieb entscheiden maßgeblich über deine Performance und darüber hinaus über die Planbarkeit deines Erfolgs. Deshalb spreche ich in dieser Episode mit Alexander Dosse von Centify. Wir klären nämlich genau, welche Provision wann wirklich passt. Außerdem decken wir auf, was im Sales hingegen absolut nicht funktioniert.
Provisionen polarisieren zwar oft. Dennoch sind sie für die meisten Vertriebsteams der größte Hebel überhaupt. Mein Grundsatz dazu bleibt jedenfalls klar: Eine Provision ist grundsätzlich ein Führungs- und Steuerungsinstrument. Sie ersetzt allerdings niemals echtes Management. Damit deine Provision tatsächlich wirkt, muss sie insbesondere drei Dinge sein: spürbar, beeinflussbar und völlig transparent. Zusätzlich sollte die Abrechnung sehr zeitnah erfolgen. Nur so spiegelt sich die Motivation schließlich sofort beim Verkäufer wider.
Die Grundlagen funktionierender Provisionsmodelle
Zunächst einmal ist ein gutes Provisionssystem der Motor für dein Wachstum. Es lenkt nämlich die Aufmerksamkeit deines Teams genau dorthin, wo du sie gerade brauchst. Willst du beispielsweise mehr Neukunden? Willst du stattdessen margen-starke Produkte pushen? Oder geht es dir vielmehr um langfristige Verträge? Genau hier setzen smarte Provisionsmodelle im Vertrieb effektiv an.
Die häufigsten Fehler bei der Provisionsgestaltung
Leider sehe ich in der Praxis trotzdem häufig die immer gleichen Fehler. Erstens kommen Auszahlungen oft viel zu spät. Wenn ein Verkäufer beispielsweise im März einen Deal schließt und das Geld erst im Dezember sieht, verpufft der Effekt komplett. Die Motivation ist folglich weg. Ein weiterer Fehler: Kennzahlen sind schlichtweg ungeeignet. Manche Unternehmen verknüpfen die Provision nämlich mit dem EBIT des gesamten Unternehmens. Aber Hand aufs Herz: Ein einzelner Account Executive kann das EBIT kaum direkt steuern. Die Kennzahl ist daher viel zu weit weg von seiner täglichen Arbeit.
Ein ebenso massiver Fehler sind Deckelungen. Deckelungen bremsen zweifellos deine Top-Performer. Wenn ein Verkäufer schließlich sein Ziel im Oktober erreicht hat und danach nichts mehr extra verdient, hört er logischerweise auf zu arbeiten. Er schiebt die Deals stattdessen ins nächste Jahr. Provisionsmodelle im Vertrieb brauchen deshalb unbedingt klare Kriterien. Sie brauchen zudem nachvollziehbare Regeln und eine faire Quotenplanung. Dadurch steigt das Vertrauen. Und infolgedessen steigt schlussendlich auch die Abschlussquote.
Die 4 Bausteine für erfolgreiche Provisionsmodelle im Vertrieb
Wir haben in der Analyse jedenfalls festgestellt: Vier Bausteine decken rund 90 Prozent aller Use Cases ab. Wenn du diese vier Elemente entsprechend richtig kombinierst, baust du dementsprechend ein System, das rockt.
1. Dealbeteiligung: Der Klassiker neu gedacht
Die Dealbeteiligung ist zunächst prozentual an den Umsatz oder den Deckungsbeitrag gekoppelt. Wenn jemand zum Beispiel 100.000 Euro Umsatz bringt und 5 Prozent Provision hat, bekommt er 5.000 Euro. Das ist sowohl einfach als auch verständlich. Wichtig ist hier allerdings eine saubere Attributionslogik. Wer bekommt denn nun die Provision? Nur der Closer? Oder vielleicht auch das Marketing? Vermeide auf jeden Fall das Prinzip „Mäuler-Stopfen“. Wenn du nämlich jedem im Prozess etwas abgibst, wird es schnell teuer und kompliziert. Demzufolge bleiben deine Anreize durch eine klare Zuteilung schlank und extrem wirksam.
2. OTE und Quote: Das optimale Verhältnis finden
Das On-Target Earnings (OTE) ist im Grunde genommen das variable Zielgehalt. Es besteht grundsätzlich aus einem Fixum und einem variablen Anteil. In der DACH-Region sehen wir häufig Modelle wie 70/30 oder 60/40. Das bedeutet konkret: 70 Prozent sind fix, 30 Prozent sind variabel. In den USA oder UK ist hingegen oft ein 50/50 Modell üblich. Ein besonders starkes Element hierbei sind Accelerators für Übererfüllung. Wenn ein Verkäufer nämlich mehr als 100 Prozent seiner Quote erreicht, steigt sein Provisionssatz. Er verdient somit überproportional mehr. Wie bereits gesagt: Wichtig ist, nach oben niemals zu deckeln. Sonst werden Deals andernfalls ganz schnell in den nächsten Monat geschoben.
3. Bonuszahlungen: Gezielte Steuerung
Bonuszahlungen sind wiederum fixe Beträge für kurzfristig beeinflussbare Aktionen. Das ist tatsächlich ein fantastisches Werkzeug. Beispielsweise: Du zahlst 50 Euro extra für jeden „qualifizierten Termin“. Oder du zahlst alternativ einen Bonus, wenn ein ganz spezielles neues Produktbundle verkauft wird. Dadurch steuerst du das Verhalten deines Teams absolut punktgenau. Es ist folglich ideal, um neue Produkte in den Markt zu drücken.
4. SPIFs: Der Turbo für den Endspurt
SPIFs (Sales Performance Incentive Funds) sind hingegen zeitlich stark begrenzte Sprints. Das passiert oftmals zum Monats- oder Quartalsende. Es kann entweder monetär sein oder eine attraktive Sachprämie. Wer macht beispielsweise in den nächsten zwei Wochen die meisten Kaltakquise-Calls? Wer schließt hingegen diesen Freitag den größten Deal? Gerade hier entstehen zusätzliche Impulse im Team. Der Wettkampfaspekt greift nämlich sofort. Gleichzeitig vermeidest du langfristige Fixkosten, da die Aktion nach kurzer Zeit wieder endet.
SaaS-Vertrieb: Warum eine gemeinsame Logik entscheidend ist
Gerade im SaaS-Bereich greifen oft mehrere Rollen stark ineinander. Das klassische Einzelkämpfer-Modell funktioniert hier deshalb nicht optimal. Darum lohnt eine gemeinsame Logik. Lass uns die Rollen daher kurz durchgehen.
Der SDR (Sales Development Representative)
Der SDR ist bekanntlich der Jäger. Er baut zuerst die Pipeline auf. Er erhält dafür oft eine Pauschale pro qualifiziertem Termin. Aber das reicht meistens nicht. Er sollte zusätzlich auch einen kleinen Deal-Anteil bekommen. Warum? Weil er nur dann motiviert ist, wirklich gute Termine zu buchen. Er wirft dem AE infolgedessen keinen Schrott mehr rüber, sondern achtet auf eine hohe Qualität der Leads.
Der AE (Account Executive)
Der Account Executive ist hingegen der Closer. Er trägt demzufolge den größten Abschlussanteil. Sein Fokus liegt schließlich voll auf der Unterschrift des Kunden. Sein Teil des Provisionsmodells im Vertrieb basiert primär auf dem generierten Umsatz des neuen Deals. Er profitiert darüber hinaus stark von Accelerators, wenn er seine Jahresquote übererfüllt.
Der CSM (Customer Success Manager)
Nach dem Deal ist bekanntlich vor dem Deal. Der CSM übernimmt anschließend den Kunden. Seine Aufgabe ist es nämlich, den Kunden erfolgreich zu machen. Seine Provision wird wiederum über Vertragsverlängerung (Renewal), die Verhinderung von Kündigungen (Churn) und den Ausbau des Accounts (Expansion) incentiviert. So richten sich Provisionsmodelle im Vertrieb konsequent auf Umsatz, den Kundennutzen und ein nachhaltiges Wachstum aus. Alle drei Rollen ziehen somit am gleichen Strang.
Fehlanreize vermeiden: So lenkst du in die richtige Richtung
Ein falsches Provisionsmodell kann zweifellos echten Schaden anrichten. Vermeide daher unbedingt Fehlanreize. Wer beispielsweise ausschließlich nach Marge vergütet, verkauft oft keine strategischen Neueinführungen mehr. Low-Margin-Produkte bleiben dann im Regal liegen, selbst wenn sie als Türöffner extrem wichtig wären. Wer zudem erst zum Jahresende zahlt, verliert jeden Monat Motivation. Folglich sinkt das Pipeline-Tempo dramatisch.
Die Rolle von Tools und Echtzeit-Transparenz
Viele geniale Provisionspläne scheitern letztendlich schlichtweg an der Datenqualität. Verkäufer führen häufig ihre eigenen Excel-Listen („Shadow Accounting“), um ihr Geld zu tracken. Das kostet einerseits unfassbar viel Zeit und führt andererseits zu Streit. Genau deshalb mag ich moderne Tools mit Echtzeit-Transparenz.
Alexander Dosse hat mit Centify glücklicherweise genau dafür eine Lösung gebaut. Centify dockt nämlich direkt an gängige CRMs an. Es rechnet außerdem automatisch und fehlerfrei. Verkäufer sehen dadurch jeden Tag live, was sie verdient haben. Das pusht die Motivation enorm. Zudem erlaubt es dem Management „Alt vs. Neu“-Simulationen. Wenn du also dein Modell anpassen willst, siehst du sofort, was das gekostet hätte. Somit wird die gesamte Kommunikation rund um das Thema Geld endlich glasklar.
Umsetzungstipps: So führst du das passende Provisionssystem ein
Ziele richtig kalibrieren
Wie startest du nun jetzt? Mein bester Umsetzungstipp: Du musst deine Ziele zunächst top-down und bottom-up kalibrieren. Top-down: Was braucht eigentlich das Unternehmen? Bottom-up: Was ist hingegen für den Verkäufer erreichbar und motivierend? Prüfe darüber hinaus unbedingt historische Daten. Teste außerdem Worst-Case-Szenarien und Best-Case-Kosten intensiv durch, bevor du überhaupt etwas live schaltest.
Kulturhebel für mehr Motivation
Formuliere deine Regeln zudem so einfach wie möglich. Mein Merksatz lautet hierbei: „Ein Satz, ein Beispiel“. Wenn das Provisionsmodell nämlich zu komplex ist, versteht es keiner. Und was man nicht versteht, motiviert bekanntlich nicht. Zahle überdies unbedingt monatlich aus. Nutze zusätzlich Kulturhebel wie öffentliche Rankings, Golden Hours oder kleine, spaßige Wettkämpfe. Dadurch entsteht ein positiver Leistungsdruck im Team, anstatt eines negativen Gamings des Systems.
Quick Takeaways: Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Keep it simple: Komplexe Provisionsmodelle im Vertrieb demotivieren. Nutze daher die Regel „Ein Satz, ein Beispiel“.
- Keine Deckelungen: Caps bestrafen Top-Performer und führen zwangsläufig zu verschobenen Deals. Lass die Provision deshalb nach oben offen.
- Schnelle Auszahlung: Belohne Erfolge stets sofort. Zahle also monatlich statt jährlich aus, um den Drive hochzuhalten.
- Rollenbasierte Logik: SDR, AE und CSM brauchen abgestimmte Anreize. Sie müssen nämlich als Team funktionieren, ohne sich gegenseitig zu kannibalisieren.
- Nutze moderne Tools: Vergiss Excel. Nutze stattdessen CRM-integrierte Software für Echtzeit-Transparenz und mehr Vertrauen im Sales-Team.
Fazit: Dein Weg zum perfekten System
Das zu 100 Prozent perfekte System für jedes Unternehmen gibt es zwar nicht. Dennoch gibt es das passende System für genau deine aktuelle Phase sehr wohl. Mit klaren KPIs, einer schnellen Auszahlung und den vier Bausteinen setzt du Provisionsmodelle im Vertrieb exakt so auf, dass sie dein Wachstum tatsächlich massiv treiben. Mach die Provision daher zu deinem stärksten Führungsinstrument. Sei außerdem mutig, pass die Dinge an, wenn sie nicht funktionieren, und sorge stets für maximale Transparenz.
Wie sieht es denn bei euch aus? Welches Provisionsmodell fahrt ihr aktuell? Bist du damit zufrieden oder wollt ihr vielleicht etwas umstellen? Schreib mir gerne auf LinkedIn oder hinterlasse einen Kommentar – ich bin jedenfalls sehr gespannt auf deine Praxis-Erfahrungen!
Typische Modelle umfassen zunächst die klassische Dealbeteiligung, OTE (On-Target Earnings) mit fester Quote, spezifische Bonuszahlungen für kurzfristige Ziele und darüber hinaus zeitlich begrenzte SPIFs.
Deckelungen demotivieren Top-Performer enorm. Sobald das Maximum nämlich erreicht ist, schieben Verkäufer neue Deals oft in den nächsten Monat oder das nächste Jahr, was das aktuelle Unternehmenswachstum folglich aktiv bremst.
OTE (On-Target Earnings) beschreibt einerseits das geplante Jahreszielgehalt bestehend aus Fixum und variabler Provision. SPIFs (Sales Performance Incentive Funds) sind hingegen kurze, zeitlich begrenzte Sonderprämien, um bestimmte kurzfristige Ziele gezielt zu forcieren.
Ein SDR (Sales Development Rep) wird meistens für qualifizierte Termine belohnt, kombiniert mit einem kleinen Deal-Anteil. Der AE (Account Executive) erhält hingegen den Großteil seiner Provision für den tatsächlichen Vertragsabschluss und den generierten Umsatz.
Excel-Listen führen oft zu „Shadow Accounting“ durch Verkäufer, da sie bekanntlich fehleranfällig sind und keine Echtzeit-Daten bieten. Software-Tools wie Centify bieten stattdessen eine direkte CRM-Integration und volle Transparenz ohne manuellen Aufwand.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So planst du die Einführung eines neuen Provisionsmodells für dein Vertriebsteam.
-
1. Unternehmensziele definieren
Kläre zunächst, ob du Margen pushen, Neukunden gewinnen oder Vertragslaufzeiten verlängern willst. Dein Modell muss nämlich diese Ziele exakt widerspiegeln.
-
2. Rollen im Sales-Team abgrenzen
Definiere anschließend klar, was SDR, AE und CSM leisten müssen. Erstelle daraufhin für jede Rolle eine spezifische, aber gut aufeinander abgestimmte Provisionslogik.
-
3. Daten simulieren (Worst- und Best-Case)
Nimm nun historische Verkaufsdaten und simuliere das neue Modell. Was passiert beispielsweise finanziell bei extremer Übererfüllung? Was passiert hingegen bei sehr schlechten Monaten?
-
4. Regeln massiv vereinfachen
Kürze daraufhin alle Komplexitäten raus. Wende hierbei die Regel „Ein Satz, ein Beispiel“ an, damit jeder Vertriebler sein variables Gehalt sofort versteht.
-
5. Passendes Tool zur Abrechnung einführen
Verabschiede dich zuletzt von Excel. Nutze stattdessen ein Tool wie Centify, das direkt an dein CRM andockt und den Verkäufern Echtzeit-Transparenz liefert.
—
Über den VertriebsFunk Podcast – Deutschlands B2B Sales Podcast:
Mit über 900 Folgen bekommst du Wissen und Inspiration für deinen Erfolg: bessere Mitarbeiter gewinnen, mehr Umsatz generieren, Verkauf pushen, Mindset stärken. Jede Woche praxisnah und umsetzbar.
Begeistert?
Du möchtest keine Folge des VertriebsFunk verpassen? Dann abonniere jetzt unseren Newsletter. Alle zwei Wochen gibt’s News rund um den Podcast und die Themen Vertrieb, Recruiting und Karriere. Einfach hier kostenfrei den Newsletter abonnieren:
Schon gehört?
Vielseitig und mega interessant
★★★★★
Ich habe Christopher zufällig in YouTube bei Themen um Karriere entdeckt und gesehen, das er ein sehr interessanten Podcast führt. Ich habe gleich abonniert, die Themen und Gäste sind wertvolle Inputs um erfolgreich im Job zu werden.
Auch für Nichtvertriebler ein Muss
★★★★★
Obwohl ich nicht im Vertrieb arbeite, habe ich megaviel für meinen Job als Ingenieur und auch übers Leben allgemein gelernt.
Inhalte können viele, aber der Funk sendet auch gut rüber
★★★★★
Ich hege Interessen am Vertrieb, aber meine bisherigen Aufgaben beinhalteten maximal Berührungspunkte mit Pre-Sales. Zu dem Podcast bin ich vor wenigen Wochen gekommen und bereits nach wenigen Folgen habe ich entschlossen, ihm von Anfang an zu hören. Jede Folge ist wie eine Booster-Impfung. Besonders gefällt mit die Themenvielfalt, es wird nicht langweilig.
EINFACH ABONNIEREN:
Top Themen:
Ausgewählte Links zu dieser Episode
Personen in der Folge:
👤 Christopher Funk – Vertrieb löst alle Probleme. 💶 Und wir lösen dein Vertriebsproblem 🚀
👤 Alexander Dosse (Centify)